| Das Spiel | Aisling Rawe | 400 Seiten | btb | eBook 20,99€ | Hardcover 24,00€ |
Der Klappentext von "Das Spiel" hat mich direkt neugierig gemacht: Zehn Frauen, zehn Männer, eine luxuriöse Anlage mitten in der Wüste und überall Kameras. Was zunächst nach einer ziemlich absurden Reality-Show à la „Love Island“ klingt, entwickelt sich nach und nach zu etwas deutlich Unheimlicherem.
Lily und die anderen Kandidat:innen sollen sich zu Paaren zusammentun, Challenges absolvieren und um Dinge kämpfen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Gleichzeitig werden sie permanent beobachtet und von den Produzent:innen mit immer neuen Regeln und Aufgaben konfrontiert. Nach und nach verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Unterhaltung, Wettbewerb und Verzweiflung.
Und genau diese Idee fand ich richtig spannend.
Für mich ist das im Buch beschriebene Reality-Format ein erschreckendes Beispiel dafür, wie unsere Konsum- und Unterhaltungsgesellschaft funktioniert: Wir wollen immer mehr, immer spektakulärere Inhalte und immer extremere Unterhaltung. Und irgendwann stellt sich die Frage: Wo liegt eigentlich die Grenze? Wie weit würden Menschen gehen – und wie weit würden wir als Zuschauer:innen dabei zusehen?
Der Schreibstil ist dabei eher langsam und unaufgeregt, gleichzeitig aber sehr flüssig zu lesen. Das hat für mich gut zur Geschichte gepasst, weil dadurch dieses unterschwellige Gefühl entsteht, dass eigentlich alles ganz normal ist – obwohl man als Leser:in immer stärker merkt, dass hier etwas gehörig aus dem Ruder läuft.
So richtig spannend wurde es für mich allerdings erst im letzten Drittel. Bis dahin brauchte die Geschichte für meinen Geschmack etwas Zeit, um in Gang zu kommen. Danach verändert sich die Atmosphäre aber spürbar: Sie wird immer düsterer, die Gruppendynamik zunehmend unangenehmer und aus der vermeintlich harmlosen Unterhaltung entwickelt sich immer mehr ein psychologisches und gesellschaftliches Experiment.
Besonders interessant fand ich dabei, wie schnell sich die Beziehungen innerhalb der Gruppe verändern. Vertrauen, Konkurrenz, Allianzen und Eigennutz werden immer wichtiger – und plötzlich ist überhaupt nicht mehr klar, wem man eigentlich noch trauen kann.
Was mir allerdings gefehlt hat, war etwas mehr Kontext zur Außenwelt. Man bekommt zwar mit, dass die Welt außerhalb der Show nicht gerade rosig aussieht und Ressourcenknappheit sowie Krisen eine Rolle spielen, aber genau darüber hätte ich gerne mehr erfahren. Für mich hätte das die gesellschaftskritische Ebene noch stärker gemacht.
Trotzdem fand ich die Grundidee wirklich gelungen. Das Spiel ist für mich weniger ein klassischer Thriller als vielmehr eine Gesellschaftssatire mit dystopischen und psychologischen Elementen. Und gerade die Frage, wie aus Unterhaltung plötzlich etwas Grausames werden kann, bleibt definitiv im Kopf.
Fazit: Eine ungewöhnliche Geschichte mit einer richtig starken Grundidee, die mich vor allem durch ihre gesellschaftskritische Ebene überzeugt hat. Der ruhige Einstieg braucht etwas Geduld, aber gerade im letzten Drittel wird es zunehmend düster und beklemmend.




